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Blog/Inwiefern übt Dutch Design Kritik?
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Inwiefern übt Dutch Design Kritik?


Design soll unsere Welt verbessern. Wenn Faktoren wie aktuelle Ereignisse, Gesellschaft und Politik ins Spiel kommen und unseren Alltag beeinflussen, verspüren Designer das Bedürfnis zu reagieren. Sie drücken Zustimmung oder Ablehnung durch ihre Arbeit aus. Das gilt genauso für die Kunst, denn die großen Meister wie Rembrandt übten oft Kritik an ihrer Umgebung. Diese Kritik kann sehr offen und offensichtlich, aber auch subtil und zugleich eindeutig sein. Zum Beispiel wurden die Gesichtsausdrücke in manchen von Rembrandts Selbstporträts oft als Verachtung gegenüber dem Betrachter ausgelegt, was eventuell für eine ablehnende Haltung gegenüber der Gesellschaft im Allgemeinen steht. Ein Kommentar in Form eines Produktdesigns kann eine vergleichbare Ausdruckskraft entfalten.

Lesen Sie weiter, wenn Sie erfahren möchten, inwiefern Design nützlich sein kann, um die Stimmung in der Gesellschaft zu erfassen.

Kritisches Design
Designer nutzen ihre Arbeit seit Jahrzehnten, um auf diese Weise Kritik zu üben. Ideelle Äußerungen oder Kommentare zu bestimmten Angelegenheiten waren in der Vergangenheit immer wieder Grundlage für bekannte Werke oder sogar ganze Bewegungen. Dazu zählen zum Beispiel das Bauhaus und das italienische Radical Design der 60iger Jahre, die sich jeweils gegen kommerzielle Einschränkungen wandten. Dutch Design zeichnete sich schon immer durch solche Innovationsfreude aus, und das gilt heute mehr denn je. Niederländische Designer haben ein Händchen dafür, unsere Verantwortung für die wichtigen Themen unserer Zeit – unser Verhältnis zu unserem Planeten, Nachhaltigkeit und Verschwendung – in den Vordergrund zu rücken. Dies in Kombination mit einer dynamischen, geschäftstüchtigen und pragmatischen Einstellung sorgt für ein mutiges Dutch Design, das uns für unsere Handlungen verantwortlich macht.

 

Die Niederlande in Mailand
Analytisches Denken spielt dieses Jahr auch im niederländischen Pavillon bei der Mailänder Designwoche, der weltweit größten Designmesse, eine wichtige Rolle. Die Ausstellung unter dem Titel Masterly, ist vom 9. bis 14. April im historischen Palazzo Francesco Turati im aufstrebenden Mailänder Kunst- und Designviertel 5vie zu sehen. Die Ausstellungsstücke von über 50 Designern, Künstlern und Handwerkern beziehen ihre Inspirationen aus Rembrandts Werken und knüpfen an das „Rembrandt-Jahr“ in den Niederlanden an (2019 jährt sich der Tod des Meistermalers zum 350. Mal). Aber dieser Anlass ist mehr als nur eine Feier seiner künstlerischen Leistungen, denn die Ausstellungsstücke berufen sich auch auf Rembrandts rebellische und kritische Haltung.

Inwiefern übt Masterly Kritik?
In ihrem Streben, unsere Lebensqualität zu verbessern, versuchen Designer, den Zeitgeist einzufangen und zu kommentieren und unsere Welt auf diese Weise gerechter und besser zu machen. Ihr Ziel ist es, ihren Einfluss und die von ihnen designten Produkte zu nutzen, um auf Probleme hinzuweisen, aber auch Lösungen anzubieten. „Rembrandt orientierte sich am Malstil seiner Zeit und war für seine Gesellschaftskritik bekannt“, erklärt Nicole Uniquole, die Kuratorin von Masterly, in einem aktuellen Interview im Notes Magazine (das Sie hier lesen können). Die an Masterly beteiligten Designer, Künstler und Handwerker wissen um die Verantwortung, die ihre Position mit sich bringt, und drücken ihre Ansichten durch ihre Werke aus, um so den Weg in die Zukunft zu weisen.

 „Dutch Design basiert auch auf einer Designphilosophie, die sich mit den aktuellen Themen in unserer Gesellschaft befasst“, fährt Uniquole fort. „Modernes Design kann investigativ und kritisch sein und so Antworten für diverse gesellschaftliche Fragen liefern. Originalität und Einfallsreichtum sind Teil dessen, was Dutch Design ausmacht.“ Da niederländische Designer unkonventionell, mutig, aber auch praktisch sind, ist gewährleistet, dass der niederländische Pavillon mehr als eine Produktpräsentation ist; er befasst sich auch mit unserer Welt und dem aktuellen Stand der Dinge.


Notes 2 crop 2Möchten Sie mehr erfahren? Dann tragen Sie sich jetzt ein, um die nächste Nummer des Notes Magazine zu erhalten. Dort finden Sie unter anderem das komplette Interview mit Nicole Uniquole, der Masterly Kuratorin.

 

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